Ihr Lieben,
wir trauern ... gestern ging die letzte deutsche Sendung über die Antennen in Pifo nach Südamerika raus.
Offiziell ist es jetzt das Ende von hier aus. Letzte Wochen "feierten" wir offiziell Abschied. Pensionierte Kollegen kamen oder schrieben ein paar Zeilen. Wie hier Ken (Bericht unten). Für uns als deutschsprachige Abteilung jetzt "Vozandes Media" ist es ein Trost, dass wir ab heute dem 1. Oktober die Sendungen für Südamerika von Chile aus senden können...
Doch hier ein Rückblick auf 56 Jahre Sendeanlagen von Pifo.
Geschrieben von Ken MacHarg und übersetzt von Esther und Bekkie. Danke euch DREIEN!!!
Mein Verbrauch an Tempos ist in den letzten Tagen stark gestiegen, es hat mich doch emotional mehr mitgenommen, als ich zugeben möchte.
Wenn es mir schon so geht, wie erst den Ingenieuren, die die Antennen erfunden, aufgebaut und instand gehalten haben!
Iris Rauscher
Frei übersetzt von Rebekka Garcia und Esther Neufeld
Wenn man das Grundstück betrat, spürte man schon, dass es ein besonderer Ort war. Andere betrachteten es "heiligen Boden".
Dieses grün gewellte 45 ha große Gelände mit Blick auf den schneebedeckten Cotopaxi im Süden ist eine außergewöhnliche Standort, von der Kurzwellensendungen bis an die Enden der Erde gestrahlt werden konnten.
Eigentlich kann die HCJB-Sendeanlage von Pifo nur mit Superlativen beschreiben: eine der größten Radiostationen der Welt, Domizil für eine der größten Antennen die je gebaut wurde, einer der wenigen Punkte dieser Welt von dem aus die Radiowellen um den Globus reichen, der Ort von dem aus die Gute Nachricht von Jesus Christus in jedem Land dieser Welt gehört werden konnte.
Der Besucher konnte von Quito her kommend schon von Weitem die rot-weißen Antennenmasten in den Himmel ragen sehen. Am Eingangstor des Geländes sah man dann die 48 Stahlmasten mit den 31 Antennensystemen. Nahe am Sende- und Verwaltungsgebäude lagen die Häuser der dort wohnhaften Ingenieure.
Jede dieser schlanken Strukturen mit dem komplexen Netz von reflektierenden Drahtvorhängen wurde dazu entworfen, ein leistungsstarkes Signal in ein bestimmtes Zielgebiet zu senden, nach Nord- und Südamerika, Europa, Asien oder Afrika. Kleinere Antennensysteme sandten Programme in den verschiedenen Kichwa-Dialekten. Dieses Signal wurde kerzengerade in die Höhe geschleudert, wo es von elektrisch geladenen Schichten in den Sphären, in die kein Flugzeug mehr kommt, zurückgeworfen wurde und sich wie ein Schirm über das Gebiet der Anden ausbreitete, wo die Nachkommen der Inkas leben.
In dem großen Sendegebäude pumpten zehn gigantische Sender, wahrhaftige Elektronik-Genies, hunderttausende Watt an Leistung. Ein Großteil dieser Energie wurde im HCJB Wasserkraftwerk erzeugt, das hoch in den Bergen liegt. Einige dieser technischen Wunderwerke trugen für Radioingenieure bekannte Marken: RCA, Harris, Siemens. Andere, wie der 500 Kilowatt Sender, wurde von HCJB Ingenieuren in Ecuador und Elkhart in den Vereinigten Staaten gebaut. Keiner war ein alltäglicher Null-Acht-Fuffzehn-Sender. Jeder war speziell für Pifo entworfen oder für die Höhe von 2630müM angepasst, wo in der dünnen Luft wegen elektrischer Bogenbildung leicht wertvolle Teile verglühen und wichtige Betriebseinrichtungen ausfallen konnten.
Im Dachgeschoß des Sendegebäudes befanden sich Dutzende von Schaltern, die die Sender mit der entsprechenden Antenne verbanden. So gelangte die christliche Botschaft morgens zu den Bewohnern im brasilianischen Amazonasgebiet oder zu deutschen Siedlern in Paraguay und Argentinien. Eine andere Antenne sandte die Programme am Nachmittag zu interessierten Hörern in Europa, in den Nahen Osten oder nach Afrika, am Abend zu begeisterten Radiohörern in der Karibik und in Nord- und Südamerika, und in den frühen Morgenstunden gelangte es zu Menschen in Ostasien und im Südpazifik-Raum.
Wenn schon die großen Sender beeindruckten, wirkten die Antennenmasten fast ehrfurchtgebietend, vor allem wenn man durch das Spinnennetz der Antennen den Cotopaxivulkan oder die Sonne untergehen sah. Die bis zu 127m hohen Sendetürme trugen mehrere Drahtvorhänge, die unsichtbar hunderttausende Watt ausstrahlten. Sie brachten die Botschaft des Evangeliums zu den Menschen hinter dem eisernen Vorhang und versorgten ebenso die Hörer in den Staaten des Nahen Ostens, Leute in ihren Heimen oder Büros in Nordamerika, Europa, Asien und im Südpazifik. Menschen ohne technisches Verständnis können kaum nachvollziehen, wie eine solche Anordnung von feinen Drähten das Radiosignal gegen eine ähnliche Vorhangantenne strahlt und verursacht, dass dieses Signal 10.000 km entfernt empfangen werden kann. Doch gerade das schafften die Anlagen in Pifo, wenn sie täglich in max. 18 Sprachen sendeten, rund um die Uhr und rund um den Globus.
Wenn schon die Technik faszinierte, noch überzeugender wirkten die Menschen, die dieses zuwege brachten: Männer und Frauen, die im Laufe der Jahre nach Ecuador gezogen waren, um eine Radiostation aufzubauen, die Menschen auf der ganzen Erde die Botschaft der Hoffnung bringen sollte. Diese Ingenieure und Techniker aus verschiedenen Ländern verzichteten auf einen gut bezahlten Job in der Heimat, um dafür zu sorgen, dass Menschen in El Salvador, Deutschland und Griechenland, Rußland und Rumänien auf ihren Radioempfängern die Leben bringende Nachricht von Jesus in ihrer Muttersprache hören konnten. Sie erfanden die Kubik-Quad-Antenne. Sie bauten die steuerbare Antenne, einzig in ihrer Art, eine der größten Antennen die je gebaut wurden. Wenn es keine vorgefertigten Teile gab, haben sie Sender, Antennen und Zubehör quasi "aus Stacheldraht und Blechdosen" gefertigt. Sie nutzen bis dahin unbekannte Übertragungsmöglichkeiten, wodurch das HCJB Signal bis an die Enden der Erde reichte.
Warum taten sie es? Sie wußten, dass dieser Gott, der die Welt und alles darin - einschließlich die faszinierende Rundfunktechnik - erschaffen hatte, auch an seiner Schöpfung interessiert ist und will, dass jeder einzelne Mensch in jeder Sprache und Nation erfährt, dass er von Gott geliebt wird. Und sie entdeckten die Wahrheit über Gott, wie sie in der Bibel steht, sie entdeckten die Liebe Gottes, seine Vergebung und Erlösung und ewiges Leben in Jesus Christus, der ein Freund der Sünder und Retter der Welt ist.
Heute ist es still und leer geworden auf dem Gelände, von dem seit mehr als 56 Jahren das Evangelium ausgestrahlt wurde. Die hohen Antennenmasten und die Kilometer an Drähten über die grünen Felder sind abgebaut worden. Die Sender, die tagein tagaus das Programm in ein weltweites Radiosignal verwandelten, werden abgestellt. *
Die Anlagen, die seit 1953 sendeten, werden geschlossen. Inzwischen hat sich die Medienwelt verändert und auch HCJB geht neue Wege, um die gleiche Botschaft der Hoffnung weiterzugeben. Es gibt andere Informationsquellen und Unterhaltungsmedien. Es gibt Internet, Podcast, Lokalfunk und Kabel-TV. Wo es früher nicht möglich war, werden heute eigene Sender gegründet.
Pifo ist verstummt und die Ingenieure und Radioproduzenten ziehen weiter.
Trotzdem gibt es heute in jedem Land dieser Erde Kirchengemeinden, die Jesus ehren und ihm dienen, weil sie das umsetzen, was sie im Radio gehört haben. Es gibt Menschengruppen die sich stolz Christen nennen, weil sie die Botschaft von Pifo hörten.
Und es gibt Radiohörer, die davon erzählen können, wie ihr Leben von Jesus verändert wurde durch das was sie über Pifo gehört haben.
Gott sei die Ehre!